Thursday, June 17, 2010

Erfahrungen in den USA

Nach einem Jahr als Student an einer amerikanischen Uni bin ich also wieder zurueck in der Heimat. Und ich werde im August nicht mein Sophomore year, wie die Studenten im 2 Jahr in den USA genannt werden, antreten. Ich bleibe hier und werde ein neues Stdium beginnen. Die Gruende dafuer sind vielfaeltig und haben nicht mit dem amerikanischen Unisport System zu tun. Da einige mir von einem US-Aufenthalt abgeraten hatten, und wir auch bei internationalen Nachwuchsmeisterschaften immer vor den amerikanischen Trainern gewarnt wurden, will ich einen kleinen Einblick in meine persoenliche Erfahrung aus den USA geben. Dabei soll es sich haupsaechlich um laufbezogene Einblicke handeln. Ich bin zum Iona College in New Rochelle, ca. 4km von New York City (Bronx) entfernt, gegangen. Das Cross Country Team ist in den letzten Jahren immer in den Top Ten bei den Nationalen College Cross Meisterschaften gewesen, 2 mal war es sogar 2. Als ich im August 2009 nach New York kam, hatte ich nach einer fast 5 monatigen Verletzung erst wieder mit joggen angefangen. Noch bevor die Uni angefangen hat, sind wir mit ca. 35 Leuten in ein Camp gefahren, das vor allem dem Kennenlernen der "Neulinge" und als Startschuss fuer die neue Saison dienen sollte. Beim taeglichen Training konnte ich noch nicht mitmachen, weil ich immer noch Schmerzen in der Plantarsehen hatte.
Die Trainer haben mir alle Zeit gelassen und haben mir so gut es geht geholfen (The Strasburg sock hat mir schliesslich wieder das laufen ermoeglicht). Waehrend der Crosssaison war die Woche in etwa so strukturiert:
Mo-Fr Training 15:30
Sa frei
So 9:00
Montags, Mittwochs und Donnerstags wurden Dauerlaeufe bis zu 10 meilen (16km) gelaufen, waehrend Dienstags und Freitags haertere Laeufe anstanden. Das waren hauptsaechlich Berglaeufe, Tempodauerlaeufe, und spaeter dann auch Tempolaufe im Park.
Laut NCAA (Organisation, die den Unisport in den USA regelt) Regularien muss ein Tag in der Woche trainingsfrei sein. Das bezieht sich jedoch nur auf Training mit den Trainern, d.h. individuelles Training ist dennoch an diesem "trainingsfreien" Tag moeglich - wir nutzten den Samstag als Regenerationstag mit einem 5-10km Dauerlauf (oder nahmen uns wirklich trainingsfrei).
Sonntags fuhren wir haeufig in einen grossen Park um unseren Long Run zu laufen, der zwischen ca. 18-25km variierte.
Da alle Trainer ihre Bueros auf dem Campus haben, waren sie immer erreichbar und dadurch waren auch individuelle Absprachen moeglich. Bei uns in Iona wurde so verfahren, dass ausser an den Workout Tagen (Dienstag und Freitag) die Streckenlaenge der Dauerlaeufe nicht festgeschrieben waren, sondern vielmehr nach eigenem Befinden zwischen 10 und 16km liegen sollten. Je nach Leistungsstand erwarteten die Coaches auch, dass wir 2-3mal pro Woche 2 mal am Tag trainieren. Die zweite Einheit (6-10km) wurde morgens individuell absolviert und je nach Stundenplan strukturiert. Das bedeutet das uns eigentlich relativ grosse Freiheiten gewaehrt wurden, in Bezug auf wie wir unsere Dauerlaeufe an den Workoutfreien Tagen gestalten. Um eine Uebersicht ueber das Training der Athleten im Team zu haben, wurde von uns erwartet, dass wir unser Training auf flotrack fuer unsere Trainer online stellen. Dadurch konnten die Coaches sehen wie wir unsere individuellen Einheiten absolvieren. Woechentlich wurde uns ueber dieses System auch Rueckmeldung ueber unser Training gegeben und gegebenfalls auch Vorschlaege wie die Woche zu gestalten sei. Das hat eigentlich immer ganz gut geklappt. Vor allem bei Workouts war die Begleitung der Coaches super. Obwohl ich erst in den USA wieder richtig mit dem Laufen begonnen hatte, war ich derjenige mit den meisten Wettkaempfen waehrend der Crosssaison, wobei die Coaches mich eigentlich nicht so viele Rennen laufen lassen wollten. Dennoch, 6 Wettkaempfe sind nicht uebertrieben viel und ich habe die Rennen auch richtig genossen, da es einfach was ganz anderes ist als bei uns. Der Teamgedanke steht in der Crosssaison ueber alles und wenn man dann mit seinen Teamkollegen in der Startbox steht dann ist das schon ein motivierendes Gefuehl. 5 Laeufer punkten fuer eine Universitaet und normalerweise starten mindestens 7 Laeufer aus einem Team das Rennen. Im Allgemeinen steht in den USA der Teamgedanke an oberster Stelle - dies ist nicht nur sozial eine tolle Erfahrung, sondern ermoeglicht auch, dass man taeglich in einer leistungsfaehigen und leistungswilligen Gruppe trainiert. Die Spitzenlaeufer im Cross Country Team in Iona laufen grundsaetzlich ca. 100-160km pro Woche. 160km sind die Spitzenwochen und je nach Typ und Leistungsstand betraegt der Durchnittskilometerschnitt etwa 140km bzw. eher 100km pro Woche. Da ich waehrend der Crosssaison eigentlich noch im Aufbau war, konnte ich im Winter nicht so hohe Umfaenge trainieren. Absolutes Highlight der Cross Saison in den Staaten ist natuerlich die Nationale Cross Meisterschaft, etwas das man mal erlebt haben muss.
Die sogenannte Track Season ist durch 2 Wettkampf Perioden gekennzeichnet: die Hallensaison und die Bahnsaison. Auch wenn wir in Iona die Hallensaison nicht ganz so ernst genommen haben, liefen wir trotzdem bei dem ein oder anderen Meeting mit. Als NCAA Div.1 Team muss bei eine gewisse Anzahl an Wettkaempfen absolvieren und bei diesen auch eine Mindesanzahl an Athleten stellen. Im Prinzip wird aber nach dem gleichem Schema wie im Herbt/Winter trainiert. Anstatt Nachmittags wird das gemeinsame Training morgens um 11Uhr trainiert. Da im Nordosten der USA ein Winter ohne Schneestuerme kaum vorstellbar ist, wird ueblicherweise einmal pro Woche in der Halle trainiert. Wenn das Wetter es zulaesst, wird die zweite Einheit draussen trainiert - Berglaeufe oder Tempodauerlaeufe. An den grossen Hallenmeetings hatten wir dieses Jahr nicht teilgenommen, da unser Augenmerk der Bahnsaison galt. Da die Zeit zwischen Hallen - und Bahnsaison sehr kurz ist (im April gehts schon los, wird nach einer kurzen Regenerationsphase gleich die Aufmerksamkeit auf die Outdoor Season gelegt. Persoenlich konnte ich leider nur ein Rennen in diesem Sommer laufen, da ich danach mit einer hartknackigen Achillessehnenentzuendung ausser Gefecht war. Ich haette gerne die Atmosphaere der grossen College Meetings, wie z.B. bei den Penn Relays (60.000 Zuschauer) erlebt - etwas, dass man nicht so einfach zu Hause erleben kann. Oft wir dem amerikanischen Unis vorgehalten, dass sie die Athleten verheizen. Das mag in manchen Unis durchaus vorkommen - in Iona war das eigentlich kein Thema. Dennoch kamen auch Doppelteinsaetze bei uns vor, z.B. bei Conference Meets, aber auch bei uns "doppeln" ja einige ab und zu bei Landesmeisterschaften o.รค.
Die Bedingungen an den meisten Universitaeten sind sehr gut und fuer Deutsche Clubs in den meisten Faellen unbezahlbar. Die guten Einrichtungen, eigene medizinische Abteilung, Physiotherapie, Fitnessraeume sind auf dem neusten Stand - bezahlt wird alles durch und fuer die Football und Basketball Teams, aber auch die anderen Sportarten profitieren von den Bedingungen die den Sportlern zur Verfuegung stehen.
Die Befuerchtungen, dass ein USA Aufenthalt zum Nachteil fuer den Sport wird, kann ich nicht bestaetigen.
Ich persoenlich hatte nie das Gefuehl ausgenutzt zu werden, im Gegenteil, die Coaches haben immer versucht mich so gut wie moeglich fuer die Wettkaempfe vorzubereiten. Auch nachdem ich den Trainern mitgeteil hatte, dass ich bereits nach einem Jahr nach Hause gehe, haben sie sich noch bestens um mich gekuemmert und sich bemueht meine Verletzung in den Griff zu bekommen.

Natuerlich sind die Sorgen, die Nachwuchslaeufer und deren Trainer haben berechtigt. Das Studium an einer amerikanischen Uni ist eine Umstellung und birgt natuerlich Risiken - vor allem wenn der Sportler in einer guten, erfolgreichen Beziehung mit seinem Heimtrainer steht. An fast allen Schulen wird erwartet nach deren Trainern zu trainieren, sodass der Heimcoach kaum Einfluss am Training hat. Allerdings sind die Trainer gut ausgebildet - wem ein gutes Track Program wichtig ist, sollte sich davor ueber das Uni Team informieren. Wenn das Team erfolgreich ist, dann steht dahinter meist ein guter Coach. Wer schon gute Vorleistungen erbracht hat kann sogar nach einem 3 taegigen Besuch der Uni fragen. Wenn die Uni Interesse hat, wird dieser "Recruting Visit" von der Uni bezahlt.

Also, keine Angst vor einem USA Aufenthalt! Die meisten die dort waren haben tolle Erfahrungen gemacht - auf und abseits der Bahn!

Wenn ihr irgendwelche weitere Fragen habt, oder ihr denkt ich bin auf etwas wichtiges bezueglich des Laufsports an des US Unis nicht eingegangen, bitte einfach einen Kommentar posten. Danke!

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